von Michael Ebmeyer Der Schauspieler Gary Oldman im Interview GEH MIR FORT - Grobzeug im Rindermix 2 - Teil XLI TATORT (ORF) - Kein Entkommen (05.02.2012) Kernnzeichen T - 27.01.2012 Roedelius: Plays Piano (Live in London 1985)
Dienstag, 07. Februar 2012 | 05:42

 

Harder.
Faster.
Louder!

Frank Schäfer, mit universitären Würden ausgestatteter Geisteswissenschaftler, Autor, Kritiker, Hobbymusiker und eingefleischter Metal-Fan hat eine Interviewsammlung zum Thema Heavy Metal zusammengestellt. Diese Oral History ist auch für Menschen mit nur bruchstückhaftem NWOBHM-Wissen wirklich lesenswert. DAVID EISERT fand sich auf den 268 Seiten bestens zurecht. Selbst mit dem Makel, keine Vinylversion von Reign In Blood zu besitzen.

 

Anarchischer Moment der Glückseligkeit

Es gab zwar Zeiten, da hatte mittags in deutschen Mietshäusern Ruhe zu herrschen. Zwischen eins und drei wurde nicht gespielt, weder Ball im Hof noch Klavier im Haus. Heute ist Mittagsschlaf etwas, das die jüngsten Mitbürger müssen (meistens gegen kreischenden Widerstand) und nur die älteren dürfen (oft mitleidig belächelt). Für alle anderen gilt: Schlafen kann man, wenn man tot ist, wir haben Leistungsgesellschaft. Frühe Lärmschutzverordnung, lasterhafter Müßiggang – hierzulande scheint die Siesta von einem unfrohen Geist beseelt. Thierry Paquot treibt ihn mit Die Kunst des Mittagsschlafs genüsslich aus. Von PIEKE BIERMANN

 

Hitchcock und die Herstellung von Suspense

Bekanntlich unterscheidet man im Englischen zwischen »mystery« und »suspense«. Und bekanntlich hat Alfred Hitchcock stets für sich beansprucht, dass er an Suspense und nicht an Mystery interessiert sei – obwohl man in seinen Filmen durchaus auch Beispiele für Mystery entdecken kann. Das Problem ist, dass sich Suspense nur sehr schwer definieren lässt, was die Voraussetzung für die Abgrenzung gegen andere Kategorien und Begriffe wäre. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Legale Drogen -
langweilige Drogen

High werden – völlig legal und ohne große Umstände oder zumindest mit natürlichen Wirkstoffen. Eigentlich verlockend. Opium bringt Opi um von James Nestor nimmt den Leser an die Hand, um ihn mit Hilfe von Meditation, optischen Täuschungen und Giraffenleber fliegen zu lassen. FREDERIK WILHELMI bleibt lieber beim harten Stoff.

 

Diebischer Spaß

Zeig mir, was du spielst, und ich sag dir, was aus dir wird! Wer sein Adrenalin mit Ego-Shooter-Games auf- und abhetzt, kann im Grunde nur Amokläufer werden. Genau wie prädigitale Generationen im nicht-sozialistischen Wirtschaftsgebiet bekanntlich durchweg miese Kapitalistenschweine wurden, weil sie mit Feuereifer Monopoly gespielt hatten. Wie albern solche Kurzschlüsse sind und was sich stattdessen an Kulturell-Politisch-Gesellschaftlichem mit Monopoly verknüpfen lässt, zeigt Andreas Tönnesmanns in Monopoly. Das Spiel, die Stadt und das Glück. Von PIEKE BIERMANN

 

Weiter als unendlich verknüpft

Der Kulturwissenschaftler Merlin Schumacher legt mit Der Popkulturkalender. Jeden Tag ein Häppchen Popkultur ein Popnerdkompendium vor, das an Faktenwissen seinesgleichen suchen dürfte. Und das, obwohl die Fakten eigentlich nur Verzierung sind. Eine gnadenlos subjektive Rezension von JAN FISCHER.

 

Alle können Mafia

Der Pate, Scarface, Casino sind drei der bekanntesten Hollywoodfilme über die »ehrenwerte Gesellschaft«. Es gibt Computerspiele und Bücher zur Cosa Nostra; die Mafia beflügelt die Fantasie des Durchschnittsbürgers. Nun ist ein Insiderbericht hinzugekommen: Der geläuterte Mafioso Louis Ferrante gibt Mittelstands-Managern Tipps, wie sie bessere Geschäftsleute werden können. Auf rund 270 Seiten Von der Mafia lernen erklärt Ferrante, dass die Mafia und normale Unternehmen spiegelbildlich aufgebaut seien. Sein Motto lautet: »Lernen Sie von der Mafia (…), und der Erfolg ist Ihnen sicher.« Von BASTIAN BUCHTALECK

 

Röntgenbild des Wurmfortsatzes

Das Buch Die Piratenpartei. Alles klar zum Entern? versucht eine Annäherung an diese eigenartige neueste politische Kraft, schafft es dabei aber leider kaum über die Landesgrenzen hinaus. Von JAN FISCHER

 

Genugtuung und Geschäftsschädigung

Das Essigbrätlein in Nürnberg ist schon seit langem eine Adresse, die von Feinschmeckern gern angesteuert wird. Sie vereint gute Küche mit einem Ambiente, für das das Stichwort »deutsche Gemütlichkeit« durchaus angemessen ist. Man kann das spießig finden, es ist aber auch ein Zeichen des Widerstands gegen eine Globalisierung, die Restaurants wie alle anderen Bereiche erfasst hat und dazu führt, dass alles überall gleich aussieht. Der Gault Millau hat nun Andree Köthe vom Essigbrätlein zum Koch des Jahres erwählt, und zwar wegen seines Umgangs mit Gewürzen und Gemüse. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Demokratie plus Scharia

Dass das Gerede vom unausweichlichen Zusammenstoß westlicher und muslimischer Kultur und vom ebenso unabänderlichen Hass der Muslime »auf uns« weitgehend auf Behauptungen und Fehlinformationen beruht, dürfte sich herumgesprochen haben. Doch auch den wohlmeinendsten Beobachtern fehlten bisher verlässliche Gegeninformationen. John L. Esposito und Dalia Mogahed fassen unter dem Titel Was Muslime wirklich denken die Ergebnisse einer Langzeitstudie des US-amerikanischen Gallup-Institut zusammen. Von PETER BLASTENBREI

 

Vom geheimen Leben der Bauwerke

Edward Hollis berichtet in Eine kurze Geschichte des Abendlandes in 12 Bauwerken von Gebäuden, die nicht nur Zeugnis ihrer Erbauungszeit sind, sondern auch viel von der Zeit danach zu erzählen haben. Sofern man ihre Sprache versteht. Von CHRISTOPHER FRANZ

 

Mediziner in der Zwickmühle

Was haben Harald Hampel, Günther Deuschl und Jörg Debatin gemeinsam? Sie alle forschen zur Demenzkrankheit Alzheimer und sie alle werden in Vergiss Alzheimer! heftig kritisiert. Die Diplom-Biologin und Wissenschaftsjournalistin Cornelia Stolze entwirrt in ihrem bei Kiepenheuer & Witsch erschienenen Buch das Etikett der neuen »Volkskrankheit« und zeigt, wie die finanziellen Interessen der Industrie die Medizin in große ethische Nöte bringt. Genährt wir der Text durch die Hoffnung, eine Debatte anzustoßen. Von BASTIAN BUCHTALECK

 

Fernab der Cowboy- und Indianerromantik

Thomas Jeier räumt in Die ersten Amerikaner. Eine Geschichte der Indianer mit der Legende vom edlen Wilden auf. Die indigene Bevölkerung war ebenso von Brutalität und Rohheit geprägt, wie der Expansionsdrang der Kolonisten keine Grenzen kannte. Von SVENJA BRÜCK

 

Ansteckungsgefahr

Maler Guido Sieber und Autor Franz Dobler werfen einen fachmännischen wie von persönlicher Begeisterung gleichermaßen geprägten Blick auf Klischees und große Momente der Geschichte der Rock- und Popkultur. Der bereits vor knapp einem Jahr anlässlich einer Ausstellung erschienene Band ist über Umwege verspätet in der Redaktion gelandet. Macht nichts, die Infektionsgefahr ist die gleiche gebliebenen: Wen das Rock´n´Roll Fever hier nicht packt, der ist immun – meint TOM ASAM.

 

K(l)eine Geschichte des Kirchenbaus

Gottes Häuser oder Die Kunst, Kirchen zu bauen und zu verstehen heißt ein Buch von Johann Hinrich Claussen. Klingt ganz interessant, doch leider hält der Inhalt nicht, was der Titel verspricht. Von CHRISTOPHER FRANZ

 

Systematische Erwartbarkeit

Sportliche Ereignisse erfüllen heutzutage zweifellos eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Nur so lässt sich erklären, dass die Menschen rund um den Globus zu Olympia oder Fußball-WM in seltener Geschlossenheit vor den Fernsehgeräten versammelt sind. In Spielfilmen steht der Sport dagegen selten im Vordergrund. Selbst im Sportfilm ist er meist eher Beiwerk, vor dem sich das eigentliche menschliche Drama abspielt. Kai Marcel Sicks und Markus Stauff haben mit Filmgenres. Sportfilm das passende Buch vorgelegt. Von BASTIAN BUCHTALECK

 

Zwischen Mozartkugeln und Bosnastandl

Wenn Andrea Grill Auf nach Salzburg ruft, kann man sich ihren begeisternden Lockungen kaum entziehen – vor allem nicht, wenn Verborgenes, Skurriles, Literarisches im Untertitel aufwartet. Von INGEBORG JAISER

 

Für eine neue Universalgeschichte

Es besteht eine gewisse Versuchung, mit Hinblick etwa auf den Arabischen Frühling, die besondere Aktualität des gerade erschienenen Buches Hegel und Haiti hervorzuheben. Die zwei Essais von Susan Buck-Morss, die jetzt unter diesem Titel und untadelig übersetzt von Laurent Faasch-Ibrahim bei Suhrkamp erschienen sind, lenken ebenso den Blick auf historische Phänomene, in denen das europäische Geschichtsverständnis sich selbst betrachten und dabei vielleicht etwas kleinlaut, sicherlich aber dynamisch werden muss. Diesen Bezug sofort weiterverfolgen, hieße aber das Buch von hinten aufrollen, wo es sich selbst auf die Gegenwart öffnet. Ersteinmal wird man zweihundertzwanzig Jahre zurück und über den Atlantik geführt. Von TOBIAS ROTH

 

Atempause nach der Höllenfahrt

Bei der 50-Jahrfeier der Unabhängigkeit des Kongo 2010 saß eine bunte Gesellschaft von Festgästen beieinander, echte Freunde, geheime Feinde, Aufbauhelfer und Kriegsverbrecher. Das zweitgrößte afrikanische Land teilt mit anderen Dritte-Welt-Ländern das Schicksal, dass ihm nur bei solchen Jubiläen, bei Kriegen, Massakern und Hungersnot die Aufmerksamkeit der Metropolen zuteilwird. Andrea Böhm vermittelt mit ihrem Buch Gott und die Krokodile einen Blick auf die vielen Wirklichkeiten dieses riesigen Landes nach dessen düsterster Periode und abseits von solchen Feiern. Von PETER BLASTENBREI

 

Komponieren mit Bildern und Tönen

Jean-Luc Godard und die Filmmusik – ein Buch des schweizer Musikologen Jürg Stenzl. Von HANS-KLAUS JUNGHEINRICH

 

Ortsverschiebungen

Ein Satz, der etwas furchtbar Trauriges mit einer positiven Botschaft zu verbinden versucht: Auch nach dem Tod des Mitherausgebers Martin Büsser wird Testcard – Beiträge zur Popgeschichte weitergeführt. Von TOM ASAM

 

Im Land des Winzerkönigs

Die Brüder Andreas und Martin Weinek gelten als profunde Kenner von Österreichs Osten. Ihre Gebrauchsanweisung für das Burgenland gibt Einblick in eine genussreiche, sinnenfreudige, überaus reizvolle Region, die von einem spannenden Völkergemisch geprägt ist. Von INGEBORG JAISER

 

Tango, Elche, Erbsensuppe

Am heutigen Freitagabend feiern die Finnen Juhannus (Johannis / Mittsommer) und in fünf Wochen beginnt dort schon der Herbst. Höchste Zeit also, ein Sommerhäuschen im Land der tausend Seen zu buchen und Reiselektüre einzupacken. Ob Die spinnen, die Finnen von Dieter Hermann Schmitz oder Gebrauchsanweisung für Finnland von Roman Schatz gute Begleiter sind, wollte JOHANNES BROERMANN wissen.

 

Gartenweisheit löffelweise

Endlich einmal ein Gartenbuch, das hält, was es im Titel verspricht: Gerlinde Herz' Omas kleines Gartenbuch ist wirklich zu allererst klein! Wer es aber zur Hand nimmt und sich auch von der liebevoll altbackenen Deckelgestaltung losreißen kann, wird ein ganzes Universum halb vergessener Gartentipps darin entdecken. Und sofort begeistert zu Harke und Schaufel greifen. So erging es zumindest VIOLA STOCKER.

 

Navigieren - aber natürlich!

Orientierungslos in freiem Gelände, das muss nicht sein. Der natürliche Kompass weist den Weg. Jenseits der sonst üblichen Navigationstechnologien kann man lernen, Mit allen Sinnen unterwegs zu sein, wie es der Untertitel verspricht. Von FRANK KAUFMANN

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