Nikka Costa: Pro Whoa Music for Films Katharina Greve: Ein Mann geht an die Decke Volker Reinhardt: Der Göttliche Die Taube auf dem Dach - ab nächster Woche im Kino! Wolf Wagner: Tatort Universität
Freitag, 10. September 2010 | 19:22

 

Brennende Fabulierlust

Die Herausgeberin Michi Strausfeld verspricht für Schiffe aus Feuer, eine Anthologie bestehend aus 36 Kurzgeschichten, nichts Geringeres als einen Querschnitt durch die Post-Post-Boom Generation der lateinamerikanischen Literatur. Was nach Borges, Marquez und Allende kommt. Von DANIEL WÜLLNER

 

War das denn alles?

Julian Barnes unterhält mit letzten Fragen. Von WOLFRAM SCHÜTTE

 

ich greife mir barsche aus dem himmel

Eine Exkursion in die Welt des Crauss

 

"Na bitte!", höre ich mich rufen, als ich das Buch aus der Versandtasche pule. Meine Frau wittert den lange fälligen Lottogewinn, schaut dann aber ins Arbeitszimmer und sagt im neutralstmöglichen Tonfall: "Toll, ein Buch."

Von STEFAN HEUER

 

Merde bringt Glück!

Nach dem Bestseller Stadt der Diebe erweist sich David Benioff auch als Meister über die kurze Distanz. Ein begnadeter Geschichtenerzähler mit dem Gespür für die Macht des Augenblicks – und den Humor, der aller menschlichen Tragik beiwohnt. Von TOM ASAM

 

Geträumte Sprache

Oder: Die verborgene Geschichte ist die wahre

 

Der Traum dient nicht der Realitätsflucht, sondern als Zugang zur verborgenen, archaischen Seite der Wirklichkeit. Und die Literatur als Möglichkeit, diese geträumte Seite auszudrücken und mitzuteilen, als Suche nach den Grenzen des Sagbaren und als Versuch, diese Grenzen zu verschieben. Nicht umsonst nimmt Borges einen zentralen Platz in Piglias literarischem Universum ein. Von SIBYLLE LUITHLEN

 

Weit herumgekommen

Ein Kirchenheiliger ist der weitgereiste Journalist und Autor wahrlich nicht. Dass sein neuestes Buch diesen Titel trägt, dürfte also ein kleiner Witz sein und sich höchstens über eine vage äußerliche Ähnlichkeit erklären lassen – wobei natürlich unbekannt ist, wie Jesus tatsächlich ausgesehen hat. Von BASTIAN BUCHTALECK

 

Mark Twain auf Europareise, bloß umgekehrt

Der in Würzburg geborene Stanford-Professor schreibt in seiner Kolumnensammlung über Tupperware und fette Touristen – und hätte Heidegger vielleicht lieber mal weglassen sollen, meint LORENZ HEINZMANN.

 

Letzte Lieder auf dem Weg zum Lebensabendhaus

Im vergangenen Jahr wurde völlig überraschend das Typoskript eines bisher unbekannten Werkes des Schweizer Autors Max Frisch gefunden. WOLFRAM SCHÜTTE über die nun veröffentlichten Fragmente eines dritten „Tagebuchs“.

 

Mein Leben im Glashaus-Appartment

Er war dann mal weg … Schriftsteller Norbert Niemann hat als Stipendiat des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia ein Jahr in einem Künstler-Mikrokosmos verbracht. Über seine Erfahrungen hat er zusammen mit dem Künstler Martin Schmidt einen schönen und lesenswerten Band zusammengestellt. Von MARTIN BEYER

 

Lächerliche Vorstellungen von Autonomie

Wenn es um die Geschichte als Stoff geht, weiß man genau: Damit muss man ja auch erst einmal etwas wollen: Helden umdeuten, Vergessene zu ihrem Recht kommen lassen, scheinbar in Stein Gemeißeltes in Frage stellen oder das Schreiben über Geschichte selbst reflektieren. Oder man illustriert damit eine allgemeine These, wie Bettina Balàka es höchst amüsant tut. Von BERNHARD OBERREITHER

 

Der `Tod des Autors´

Roland Barthes Tagebuch erscheint inmitten einer Konjunktur des Privaten. Noch nie wurde der Buchmarkt mit so vielen Tagebüchern, Offenbarungen und Beichten überschwemmt; noch nie wurde das Intime, Profane und Banale so gefeiert. Ob schonungslos ehrlich oder narzisstisch inszenierend, es scheint, der öffentliche Raum ist begierig danach, dem Intimen seine Absolution zu erteilen. Kritischer Einwand gegen solchen Konsum wird erstickt in der Befriedigung voyeuristischer Gelüste. Von ANDREA SAKOPARNIG

 

Heimatdichter mit und ohne Bart

Onkel J. Heimatkunde versammelt 23 Zeitschriftenkolumnen von Andreas Maier aus den letzten fünf Jahren. Ursprünglich in Volltext, der Zeitung für Literatur (Wien) erschienen, hat man in ihnen eine Art regelmäßiger Flaschenpost aus der hessischen Provinz vor sich. Der in Bad Nauheim geborene Maier vergewissert sich darin der eigenen Vergangenheit, will das schmale Bändchen aber auch als Brückenbuch von seinen ersten vier Romanen hin zu seinem nächsten und – wie er mehrmals betont – auch letzten großen Projekt verstanden wissen. Von DIETMAR JACOBSEN

 

Von der Hand in den Mund

Michael Greenberg, der Sohn eines Schrotthändlers aus Brooklyn, wollte nie etwas anderes sein als Schriftsteller. In seinen gesammelten Kolumnen erzählt er Kurioses und Alltägliches aus seinem Leben in New York. Von ANDREAS MARTIN WIDMANN

 

Ameise im Elfenbeinturm

Was diesen Band vor allem lesenswert macht, ist das (Selbst-)Bild eines aufrichtigen Menschen, das bei der Lektüre entsteht. INGO AREND über Orhan Pamuks Aufsatzsammlung "Der Koffer meines Vaters".

 

Kurzweilig

Eine schöne Mischung aus Grenzgenialität unter dem Deckmantel des Understatements und schönem dreckigen Mut zum Kalauer. Von TINA MANSKE

 

 

Beatlesplatten und Rhabarber

Mit ehrfurchtgebietender Zuverlässigkeit legt Klaus Modick im betriebsüblichen Rhythmus von durchschnittlich zwei Jahren einen neuen Roman vor, zuletzt 2008, Die Schatten der Ideen, dazu kommen regelmäßig Übersetzungen englischsprachiger Bücher. Neben diesen Haupttätigkeitsbereichen entsteht das, was man Brot- oder Gelegenheitsarbeiten nennt, zu denen unter anderem Erzählungen zählen. THOMAS SCHAEFER hat den neuesten Geschichtenband gelesen.

 

Der Fluch des Ich

In Auch Deutsche unter den Opfern kommt Benjamin v. Stuckrad-Barre endlich mit sich selbst als Protagonist klar. JAN FISCHER über einen überzeugenden Neuanfang.

 

Vieles, vieles

Ein junger Österreicher erzählt von Alter, Tod und Außenseitertum. Ein schwärmender CHRISTOPH POLLMANN ließ sich von Bernhard Strobels Erzählungen „aus der vermeintlichen Echtheit in wahre Dichtung“ schleudern.

 

Aus dem Leben einer Wiedergeborenen

Hätte Susan Sontag gewollt, dass ihre Tagebücher veröffentlicht werden? Diese Frage kann auch ihr Sohn David Rieff nicht beantworten und hat sie dennoch herausgegeben. Gerade vier Jahre nach dem Tod der weltberühmten Essayistin lesen sich ihre Journale wie eine Art Making of Susan Sontag, das das Bild der öffentlichen Person durch einen Blick hinter die Kulissen um Privates und Intimes erweitert. Von ANDREAS MARTIN WIDMANN

 

Ich bin dann mal unten im Café

Die Capote-Zusammenstellung Truman Capote, auf Reisen ist ein Mixtape, das eigenartige Sachen mit einem anstellt. Von JAN FISCHER

 

Die nächste Katastrophe kommt bestimmt

„mal sehen, wo die riesenameisen, die killertomaten, der tödliche staub bleiben ...“ – Kathrin Röggla entlarvt uns als „die alarmbereiten“. Von VERENA MEIS

 

Der Kampf von Natur und Kultur

Ob Zukunftsthriller wie Talk, Talk, biografisch grundierte Sittengemälde wie Dr. Sex und Die Frauen, ob Hippie-Kommune wie in Drop-City oder Öko-Terrorismus wie in Der kleine Freund: Der amerikanische Erfolgsschriftsteller T. C. Boyle spielt auf einer breiten Klaviatur von Zeiten und Themen. In seiner Novelle Das wilde Kind geht er jetzt bis ins 18. Jahrhundert zurück und beleuchtet das ewige Spannungsverhältnis von Natur und Kultur, von Wissenschaft und Menschlichkeit. Von KARSTEN HERRMANN

 

Gottverdammtes Allzumenschliches

Was bekommt man, wenn Dimitri Verhulst die Evolutions- und Menschheitsgeschichte nachzeichnet? Eine grandiose Tour de force, deren Tempo den Leser bis zum Schluss in den Sessel gedrückt hält. CHRISTIAN NEUBERT empfiehlt, sich anzuschnallen.

 

Die fetten Jahre sind vorbei

Vordergründig versammelt dieser schmale Band Geschichten vom Essen. Doch hintergründig lauern Mord und Totschlag hinter der Fassade des Alltäglichen. INGEBORG JAISER hat diese Neuerscheinung mit Genuss und Erstaunen verschlungen.

 

Hervorragende Subjektivität gegen nüchterne Faktizität

Georg Brunolds ehrgeiziges Unternehmen zur Ehrenrettung der Reportage kann sich sehen lassen. Aber es ist ehrlich gesagt schon schwer genug, diesen prächtigen Folianten voller Augenzeugerei überhaupt zu übersehen. Von CHRISTIAN NEUBERT

 

75 Jahre unter uns

Eigentlich müsste Piwitt, diesem „unberechenbaren Einzelgänger“ (Peter Rühmkorf), eine Rolle zukommen, wie sie Grass zugeschrieben wird: als jemand, dem man zuhört, dessen Wort etwas gilt. Zu seinem 75. Geburtstag am 28. Januar erscheint nun ein Sammelband mit „Geschichten und Skizzen“, den THOMAS SCHAEFER gelesen hat.

 

Eine Zeitung als Wunscherfüllungsmaschine

Die neueste Ausgabe von Dave Eggers’ Literaturzeitschrift McSweeney’s Quarterly Concern kommt als eineinhalb Kilo schweres Zeitungspaket daher. BRIGITTE HELBLING hat sie gelesen.

 

Welterklärungsflash

Felicia Zeller haben wir hier ja bereits als hellsichtige Prosa-Chronistin des (nicht nur) Neuköllner Alltags kennengelernt. Nun erscheint ein Band mit drei Theaterstücken der Autorin, den TINA MANSKE für uns gelesen hat.

 

Fröhlich vorwärts gehen

Vor einigen Jahren hielt der Autor in seiner beachtenswerten Buchveröffentlichung 87 Tage Blau die Erdumrundung auf einem Containerschiff fest – nun folgt das außergewöhnliche Logbuch eines deutsch-deutschen Grenzgängers. Von INGEBORG JAISER

 

Das Meer in uns

Ein Kontrabassist, der als einziger seines Quartetts den Untergang einer Fähre überlebt. Eltern, die ihren auf See verlorenen Sohn versuchen per Flaschenpost zu erreichen... In Wajsbrots Geschichten ist das Meer nicht nur eine Naturgewalt, es ist eine Allegorie auf das Unbeherrschbare und die Unwägbarkeiten des Lebens selbst. Von SIBYLLE LUITHLEN

 

Ein ,,ausuferndes Aus"

Mit seinen Aufzeichnungen und Überlegungen Vom Aufenthalt setzt Botho Strauss die Reihe seiner „Immediatbücher” fort, die er einst glanzvoll mit Paare, Passanten (1981) begonnen hatte. Die T. S. Eliot -Devise “Alte Männer müssen Kundschafter sein” leitet den 65jährigen Autor dabei. Von WOLFRAM SCHÜTTE

 

Briefe vom Rande der Gesellschaft

Die beiden Stars des intellektuellen Frankreich, Bernard-Henri Levy und Michel Houellebecq, wechseln Briefe. Sie schmeicheln einander und beschimpfen sich ... Von SIMONE SCHRÖDER

 

Socken und Jahre

Alles verschwindet, nur das Verschwinden nicht. Und ist es nicht seltsam, wie viel Melancholie das Wort umweht? Sollten wir uns nicht freuen, dass Pest und Pranger verschwunden sind, jedenfalls bei uns? Aber daran denken wir selten. Eher besinnen wir uns unter stummen Seufzern auf das, was ein Stück Leben mit sich nahm. Jenny Erpenbeck breitet es in 31 Miniaturen vor uns aus. Von STEFFEN RIZZ

 

Verfehlungen beim Durchqueren gesellschaftlicher Irrgärten

Der raffinierte Erzähler Henry James (1843/1916) ist einer der Großen der Weltliteratur. Fünf erstmals auf Deutsch zugängliche Erzählungen sind ein willkommener Anlass, sein Können am Vergnügen zu messen, das sie einem bieten. Von WOLFRAM SCHÜTTE

 

Osten im Westen

Ingo Schulze ist in den letzten Jahren zu einem Autor geworden, der sich einmischt. Dass in seinem Werk Schreiben, Lesen und aufmerksame Zeitgenossenschaft nicht nur nebeneinander stehen, sondern untrennbar sind, zeigt die nun erschienene Auswahl von Essays, Reden und Skizzen noch deutlicher als seine Romane und Erzählungen. Von ANDREAS MARTIN WIDMANN

 

Gäb es Sondermarken, tät ich sie euch drauf

In ihrer Korrespondenz zeigen sich Hans Magnus Enzensberger und Uwe Johnson spielerisch und sprachbewusst. Der nun erschienene Briefwechsel dokumentiert die Freundschaft zweier Klassiker der Nachkriegsliteratur bevor sie zu solchen wurden. Von ANDREAS MARTIN WIDMANN

 

Eine Brücke ins Neuland

CARL WILHELM MACKE hat die neue Ausgabe von Akzente, der „Zeitschrift für Literatur“ gelesen.

 

Dinger, die vom Himmel fallen

Von dem bulgarischen „Meister des Slapstick“ ist ein Erzählband erschienen. Neben Brot-und-Butter-Satire finden sich darin auch einige Perlen. BRIGITTE HELBLING über Alek Popovs Für Fortgeschrittene.

 

Das große Projekt der Stille

Das Rauschen der Dinge in der Welt zu lesen, zu begreifen, zu entziffern, in täglicher Schwerstarbeit des Filterns und des Neu-Zusammensetzens, darin liegt das wahrhaft funkelnde, ihre Geworfenheit überdauernde Moment der Prosa von Jürgen Becker. In seinem neuen Buch verfeinert er sein Verfahren noch einmal gewaltig. Von MARIUS HULPE

 

Kluges Navi durch ein Riesenreich

China als Gastland der Buchmesse – das scheint vor allem Ärger und Eiertänze zu produzieren. Glücklicherweise aber auch schöne Bücher wie dieses. Die Auszeichnung „Suggestivstes Cover“ trüge es mit Leichtigkeit davon. Aber drin steckt auch eine Menge, findet GISELA TRAHMS

 

Aus Schnipseln eine Welt

Eine Rezension ihres Buches Die blassen Herren mit den Mokkatassen, ein schmaler Band, der es in sich hat: Nicht auf der Schreibmaschine oder dem Rechner getippt, sondern gebastelt mit Schere und Kleber. Von THOMAS COMBRINK

 

Jammern auf höchstem Niveau

Es ist und bleibt, wie es war und ist: Heute gibt es alles. Aber früher war alles besser. Und wenn dem eh immer so ist, warum sich dann nicht mal gutgelaunt über den Verfall der Kultur in all ihren Facetten auskotzen? CHRISTIAN NEUBERT pflichtet dem bei.

 

Im Irrgarten des Krieges

Miljenko Jergovi? erzählt in seinen Kurzgeschichten vom Krieg in und um Sarajevo, von den Wirren eines Bürgerkriegs, bei dem niemand so genau zu wissen scheint, welche Seite was gegen wen auszurichten versucht, und von den Menschen, die in diesem blutigen und manchmal grotesken Chaos einen Alltag pflegen. Von SIMONE SCHRÖDER

 

Perverse Sekten machen sich breit

Ein Debüt hält sein Versprechen: Dieser Mann weiß, was er tut. BRIGITTE HELBLING über den souveränen Erzähler Neil Smith.

 

Blühende Landschaften

Monika Maron findet nach knapp dreißig Jahren wieder den Weg nach Bitterfeld. Statt eines Himmels voller Flugasche entdeckt und lobt sie dort nun die blühenden Landschaften. JÖRG VON BILAVSKY  hat die Reportage gelesen.

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