Brennende Fabulierlust
Die Herausgeberin Michi Strausfeld verspricht für Schiffe aus Feuer, eine Anthologie bestehend aus 36 Kurzgeschichten, nichts Geringeres als einen Querschnitt durch die Post-Post-Boom Generation der lateinamerikanischen Literatur. Was nach Borges, Marquez und Allende kommt. Von DANIEL WÜLLNER
War das denn alles?
Julian Barnes unterhält mit letzten Fragen. Von WOLFRAM SCHÜTTE
ich greife mir barsche aus dem himmel
Eine Exkursion in die Welt des Crauss
"Na bitte!", höre ich mich rufen, als ich das Buch aus der Versandtasche pule. Meine Frau wittert den lange fälligen Lottogewinn, schaut dann aber ins Arbeitszimmer und sagt im neutralstmöglichen Tonfall: "Toll, ein Buch."
Von STEFAN HEUER
Merde bringt Glück!
Nach dem Bestseller Stadt der Diebe erweist sich David Benioff auch als Meister über die kurze Distanz. Ein begnadeter Geschichtenerzähler mit dem Gespür für die Macht des Augenblicks – und den Humor, der aller menschlichen Tragik beiwohnt. Von TOM ASAM
Geträumte Sprache
Oder: Die verborgene Geschichte ist die wahre
Der Traum dient nicht der Realitätsflucht, sondern als Zugang zur verborgenen, archaischen Seite der Wirklichkeit. Und die Literatur als Möglichkeit, diese geträumte Seite auszudrücken und mitzuteilen, als Suche nach den Grenzen des Sagbaren und als Versuch, diese Grenzen zu verschieben. Nicht umsonst nimmt Borges einen zentralen Platz in Piglias literarischem Universum ein. Von SIBYLLE LUITHLEN
Weit herumgekommen
Ein Kirchenheiliger ist der weitgereiste Journalist und Autor wahrlich nicht. Dass sein neuestes Buch diesen Titel trägt, dürfte also ein kleiner Witz sein und sich höchstens über eine vage äußerliche Ähnlichkeit erklären lassen – wobei natürlich unbekannt ist, wie Jesus tatsächlich ausgesehen hat. Von BASTIAN BUCHTALECK
Mark Twain auf Europareise, bloß umgekehrt
Der in Würzburg geborene Stanford-Professor schreibt in seiner Kolumnensammlung über Tupperware und fette Touristen – und hätte Heidegger vielleicht lieber mal weglassen sollen, meint LORENZ HEINZMANN.
Letzte Lieder auf dem Weg zum Lebensabendhaus
Im vergangenen Jahr wurde völlig überraschend das Typoskript eines bisher unbekannten Werkes des Schweizer Autors Max Frisch gefunden. WOLFRAM SCHÜTTE über die nun veröffentlichten Fragmente eines dritten „Tagebuchs“.
Mein Leben im Glashaus-Appartment
Er war dann mal weg … Schriftsteller Norbert Niemann hat als Stipendiat des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia ein Jahr in einem Künstler-Mikrokosmos verbracht. Über seine Erfahrungen hat er zusammen mit dem Künstler Martin Schmidt einen schönen und lesenswerten Band zusammengestellt. Von MARTIN BEYER
Lächerliche Vorstellungen von Autonomie
Wenn es um die Geschichte als Stoff geht, weiß man genau: Damit muss man ja auch erst einmal etwas wollen: Helden umdeuten, Vergessene zu ihrem Recht kommen lassen, scheinbar in Stein Gemeißeltes in Frage stellen oder das Schreiben über Geschichte selbst reflektieren. Oder man illustriert damit eine allgemeine These, wie Bettina Balàka es höchst amüsant tut. Von BERNHARD OBERREITHER
Der `Tod des Autors´
Roland Barthes Tagebuch erscheint inmitten einer Konjunktur des Privaten. Noch nie wurde der Buchmarkt mit so vielen Tagebüchern, Offenbarungen und Beichten überschwemmt; noch nie wurde das Intime, Profane und Banale so gefeiert. Ob schonungslos ehrlich oder narzisstisch inszenierend, es scheint, der öffentliche Raum ist begierig danach, dem Intimen seine Absolution zu erteilen. Kritischer Einwand gegen solchen Konsum wird erstickt in der Befriedigung voyeuristischer Gelüste. Von ANDREA SAKOPARNIG
Heimatdichter mit und ohne Bart
Onkel J. Heimatkunde versammelt 23 Zeitschriftenkolumnen von Andreas Maier aus den letzten fünf Jahren. Ursprünglich in Volltext, der Zeitung für Literatur (Wien) erschienen, hat man in ihnen eine Art regelmäßiger Flaschenpost aus der hessischen Provinz vor sich. Der in Bad Nauheim geborene Maier vergewissert sich darin der eigenen Vergangenheit, will das schmale Bändchen aber auch als Brückenbuch von seinen ersten vier Romanen hin zu seinem nächsten und – wie er mehrmals betont – auch letzten großen Projekt verstanden wissen. Von DIETMAR JACOBSEN
Von der Hand in den Mund
Michael Greenberg, der Sohn eines Schrotthändlers aus Brooklyn, wollte nie etwas anderes sein als Schriftsteller. In seinen gesammelten Kolumnen erzählt er Kurioses und Alltägliches aus seinem Leben in New York. Von ANDREAS MARTIN WIDMANN
Ameise im Elfenbeinturm
Was diesen Band vor allem lesenswert macht, ist das (Selbst-)Bild eines aufrichtigen Menschen, das bei der Lektüre entsteht. INGO AREND über Orhan Pamuks Aufsatzsammlung "Der Koffer meines Vaters".
Kurzweilig
Eine schöne Mischung aus Grenzgenialität unter dem Deckmantel des Understatements und schönem dreckigen Mut zum Kalauer. Von TINA MANSKE
Beatlesplatten und Rhabarber
Mit ehrfurchtgebietender Zuverlässigkeit legt Klaus Modick im betriebsüblichen Rhythmus von durchschnittlich zwei Jahren einen neuen Roman vor, zuletzt 2008, Die Schatten der Ideen, dazu kommen regelmäßig Übersetzungen englischsprachiger Bücher. Neben diesen Haupttätigkeitsbereichen entsteht das, was man Brot- oder Gelegenheitsarbeiten nennt, zu denen unter anderem Erzählungen zählen. THOMAS SCHAEFER hat den neuesten Geschichtenband gelesen.
Der Fluch des Ich
In Auch Deutsche unter den Opfern kommt Benjamin v. Stuckrad-Barre endlich mit sich selbst als Protagonist klar. JAN FISCHER über einen überzeugenden Neuanfang.
Vieles, vieles
Ein junger Österreicher erzählt von Alter, Tod und Außenseitertum. Ein schwärmender CHRISTOPH POLLMANN ließ sich von Bernhard Strobels Erzählungen „aus der vermeintlichen Echtheit in wahre Dichtung“ schleudern.
Aus dem Leben einer Wiedergeborenen
Hätte Susan Sontag gewollt, dass ihre Tagebücher veröffentlicht werden? Diese Frage kann auch ihr Sohn David Rieff nicht beantworten und hat sie dennoch herausgegeben. Gerade vier Jahre nach dem Tod der weltberühmten Essayistin lesen sich ihre Journale wie eine Art Making of Susan Sontag, das das Bild der öffentlichen Person durch einen Blick hinter die Kulissen um Privates und Intimes erweitert. Von ANDREAS MARTIN WIDMANN
Ich bin dann mal unten im Café
Die Capote-Zusammenstellung Truman Capote, auf Reisen ist ein Mixtape, das eigenartige Sachen mit einem anstellt. Von JAN FISCHER
Die nächste Katastrophe kommt bestimmt
„mal sehen, wo die riesenameisen, die killertomaten, der tödliche staub bleiben ...“ – Kathrin Röggla entlarvt uns als „die alarmbereiten“. Von VERENA MEIS
Der Kampf von Natur und Kultur
Ob Zukunftsthriller wie Talk, Talk, biografisch grundierte Sittengemälde wie Dr. Sex und Die Frauen, ob Hippie-Kommune wie in Drop-City oder Öko-Terrorismus wie in Der kleine Freund: Der amerikanische Erfolgsschriftsteller T. C. Boyle spielt auf einer breiten Klaviatur von Zeiten und Themen. In seiner Novelle Das wilde Kind geht er jetzt bis ins 18. Jahrhundert zurück und beleuchtet das ewige Spannungsverhältnis von Natur und Kultur, von Wissenschaft und Menschlichkeit. Von KARSTEN HERRMANN
Gottverdammtes Allzumenschliches
Was bekommt man, wenn Dimitri Verhulst die Evolutions- und Menschheitsgeschichte nachzeichnet? Eine grandiose Tour de force, deren Tempo den Leser bis zum Schluss in den Sessel gedrückt hält. CHRISTIAN NEUBERT empfiehlt, sich anzuschnallen.
Die fetten Jahre sind vorbei
Vordergründig versammelt dieser schmale Band Geschichten vom Essen. Doch hintergründig lauern Mord und Totschlag hinter der Fassade des Alltäglichen. INGEBORG JAISER hat diese Neuerscheinung mit Genuss und Erstaunen verschlungen.
Hervorragende Subjektivität gegen nüchterne Faktizität
Georg Brunolds ehrgeiziges Unternehmen zur Ehrenrettung der Reportage kann sich sehen lassen. Aber es ist ehrlich gesagt schon schwer genug, diesen prächtigen Folianten voller Augenzeugerei überhaupt zu übersehen. Von CHRISTIAN NEUBERT
75 Jahre unter uns
Eigentlich müsste Piwitt, diesem „unberechenbaren Einzelgänger“ (Peter Rühmkorf), eine Rolle zukommen, wie sie Grass zugeschrieben wird: als jemand, dem man zuhört, dessen Wort etwas gilt. Zu seinem 75. Geburtstag am 28. Januar erscheint nun ein Sammelband mit „Geschichten und Skizzen“, den THOMAS SCHAEFER gelesen hat.
Eine Zeitung als Wunscherfüllungsmaschine
Die neueste Ausgabe von Dave Eggers’ Literaturzeitschrift McSweeney’s Quarterly Concern kommt als eineinhalb Kilo schweres Zeitungspaket daher. BRIGITTE HELBLING hat sie gelesen.
Welterklärungsflash
Felicia Zeller haben wir hier ja bereits als hellsichtige Prosa-Chronistin des (nicht nur) Neuköllner Alltags kennengelernt. Nun erscheint ein Band mit drei Theaterstücken der Autorin, den TINA MANSKE für uns gelesen hat.
Fröhlich vorwärts gehen
Vor einigen Jahren hielt der Autor in seiner beachtenswerten Buchveröffentlichung 87 Tage Blau die Erdumrundung auf einem Containerschiff fest – nun folgt das außergewöhnliche Logbuch eines deutsch-deutschen Grenzgängers. Von INGEBORG JAISER
Das Meer in uns
Ein Kontrabassist, der als einziger seines Quartetts den Untergang einer Fähre überlebt. Eltern, die ihren auf See verlorenen Sohn versuchen per Flaschenpost zu erreichen... In Wajsbrots Geschichten ist das Meer nicht nur eine Naturgewalt, es ist eine Allegorie auf das Unbeherrschbare und die Unwägbarkeiten des Lebens selbst. Von SIBYLLE LUITHLEN
Ein ,,ausuferndes Aus"
Mit seinen Aufzeichnungen und Überlegungen Vom Aufenthalt setzt Botho Strauss die Reihe seiner „Immediatbücher” fort, die er einst glanzvoll mit Paare, Passanten (1981) begonnen hatte. Die T. S. Eliot -Devise “Alte Männer müssen Kundschafter sein” leitet den 65jährigen Autor dabei. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Briefe vom Rande der Gesellschaft
Die beiden Stars des intellektuellen Frankreich, Bernard-Henri Levy und Michel Houellebecq, wechseln Briefe. Sie schmeicheln einander und beschimpfen sich ... Von SIMONE SCHRÖDER
Socken und Jahre
Alles verschwindet, nur das Verschwinden nicht. Und ist es nicht seltsam, wie viel Melancholie das Wort umweht? Sollten wir uns nicht freuen, dass Pest und Pranger verschwunden sind, jedenfalls bei uns? Aber daran denken wir selten. Eher besinnen wir uns unter stummen Seufzern auf das, was ein Stück Leben mit sich nahm. Jenny Erpenbeck breitet es in 31 Miniaturen vor uns aus. Von STEFFEN RIZZ
Verfehlungen beim Durchqueren gesellschaftlicher Irrgärten
Der raffinierte Erzähler Henry James (1843/1916) ist einer der Großen der Weltliteratur. Fünf erstmals auf Deutsch zugängliche Erzählungen sind ein willkommener Anlass, sein Können am Vergnügen zu messen, das sie einem bieten. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Osten im Westen
Ingo Schulze ist in den letzten Jahren zu einem Autor geworden, der sich einmischt. Dass in seinem Werk Schreiben, Lesen und aufmerksame Zeitgenossenschaft nicht nur nebeneinander stehen, sondern untrennbar sind, zeigt die nun erschienene Auswahl von Essays, Reden und Skizzen noch deutlicher als seine Romane und Erzählungen. Von ANDREAS MARTIN WIDMANN
Gäb es Sondermarken, tät ich sie euch drauf
In ihrer Korrespondenz zeigen sich Hans Magnus Enzensberger und Uwe Johnson spielerisch und sprachbewusst. Der nun erschienene Briefwechsel dokumentiert die Freundschaft zweier Klassiker der Nachkriegsliteratur bevor sie zu solchen wurden. Von ANDREAS MARTIN WIDMANN
Eine Brücke ins Neuland
CARL WILHELM MACKE hat die neue Ausgabe von Akzente, der „Zeitschrift für Literatur“ gelesen.
Dinger, die vom Himmel fallen
Von dem bulgarischen „Meister des Slapstick“ ist ein Erzählband erschienen. Neben Brot-und-Butter-Satire finden sich darin auch einige Perlen. BRIGITTE HELBLING über Alek Popovs Für Fortgeschrittene.
Das große Projekt der Stille
Das Rauschen der Dinge in der Welt zu lesen, zu begreifen, zu entziffern, in täglicher Schwerstarbeit des Filterns und des Neu-Zusammensetzens, darin liegt das wahrhaft funkelnde, ihre Geworfenheit überdauernde Moment der Prosa von Jürgen Becker. In seinem neuen Buch verfeinert er sein Verfahren noch einmal gewaltig. Von MARIUS HULPE
Kluges Navi durch ein Riesenreich
China als Gastland der Buchmesse – das scheint vor allem Ärger und Eiertänze zu produzieren. Glücklicherweise aber auch schöne Bücher wie dieses. Die Auszeichnung „Suggestivstes Cover“ trüge es mit Leichtigkeit davon. Aber drin steckt auch eine Menge, findet GISELA TRAHMS
Aus Schnipseln eine Welt
Eine Rezension ihres Buches Die blassen Herren mit den Mokkatassen, ein schmaler Band, der es in sich hat: Nicht auf der Schreibmaschine oder dem Rechner getippt, sondern gebastelt mit Schere und Kleber. Von THOMAS COMBRINK
Jammern auf höchstem Niveau
Es ist und bleibt, wie es war und ist: Heute gibt es alles. Aber früher war alles besser. Und wenn dem eh immer so ist, warum sich dann nicht mal gutgelaunt über den Verfall der Kultur in all ihren Facetten auskotzen? CHRISTIAN NEUBERT pflichtet dem bei.
Im Irrgarten des Krieges
Miljenko Jergovi? erzählt in seinen Kurzgeschichten vom Krieg in und um Sarajevo, von den Wirren eines Bürgerkriegs, bei dem niemand so genau zu wissen scheint, welche Seite was gegen wen auszurichten versucht, und von den Menschen, die in diesem blutigen und manchmal grotesken Chaos einen Alltag pflegen. Von SIMONE SCHRÖDER
Perverse Sekten machen sich breit
Ein Debüt hält sein Versprechen: Dieser Mann weiß, was er tut. BRIGITTE HELBLING über den souveränen Erzähler Neil Smith.
Blühende Landschaften
Monika Maron findet nach knapp dreißig Jahren wieder den Weg nach Bitterfeld. Statt eines Himmels voller Flugasche entdeckt und lobt sie dort nun die blühenden Landschaften. JÖRG VON BILAVSKY hat die Reportage gelesen.
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Was wäre, wenn...
… über Nacht alle Erwachsenen vom Antlitz der Erde verschwunden wären und nur eine Handvoll Kinder noch durch die Straßen der Städte und durch die Länder ziehen ...
Grinsen ins Gesicht
Monsters of british humor mit charmantem Indiefolk von der Insel. Von GERD HASELMAIER
Göttlich und geizig
Um das Leben des großen Renaissance-Künstlers Michelangelo ranken sich zahlreiche Legenden. Der Historiker Volker Reinhardt legt nun eine gut geschriebene Biographie vor, die vor allem ...
Pesthauch des Bösen
„Die Priester sagten uns, es sei Gottes Strafe. Für welche Sünde?“ 662 Jahre nach der Handlungszeit von Christopher Smiths mittelalterlicher Splatter-Orgie ist die vom ...
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