Kennzeichen T - 25.05.2012 Thomas Kistner: Fifa-Mafia von Michael Ebmeyer Andrea Maria Schenkel: Finsterau David Small: Stiche. Erinnerungen Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Samstag, 26. Mai 2012 | 00:11

 

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen Debüts. Der Bunker (2009) dann zog etwas zu viel Nebenluft aus dem Kampusch-Fall. Nun, mit ihrem vierten Roman, Finsterau, ist die Autorin wieder da angelangt, wo alles losging. Nur den Verlag hat sie inzwischen gewechselt. Von DIETMAR JACOBSEN

 

Pornokinos, Hähnchenmast, Brecht und Blumen aus Beton

2010 erschien im Verbrecher Verlag Unsere Popmoderne von Marc Degens – eine Kolumnensammlung, in der der 1971 in Essen geborene und heute in Bonn lebende Autor 34 Schlüsselstellen fremder Bücher vorzustellen vorgab. Vorgab deswegen, weil es keines der von ihm vorgestellten Bücher wirklich gab. Viele der dort präsentierten Ausschnitte aber hatten durchaus das Potential, ausgearbeitet und fortgeführt in einem tatsächlichen Roman zu münden. Ich verlieh in meiner damaligen Besprechung der Hoffnung Ausdruck, Degens möge sich nach seinem Erstling Hier keine Kunst baldmöglichst der Arbeit an einem weiteren Roman widmen, und was soll ich sagen: Meine Bitten wurden erhört. Von STEFAN HEUER

 

 

Das Leben ist nicht Wünschdirwas

Eine dieser Autorinnen mit den Doppelnamen: Katrin Marie Merten hat nach Gedichten jetzt auch Prosa veröffentlicht: Rückwärtslaufen. Von PEGGY NEIDEL

 

Wie eine ausgepresste Orange

 

Hans Joachim Schädlich gehört fraglos immer noch zu den unterschätzten Autoren des deutschen Sprachraums. Dabei versteht es der 76-jährige Autor geradezu meisterlich, komplexe Sachverhalte durch radikale sprachliche Reduktion auf extrem schmale Buchumfänge zu komprimieren. Diese stilistische Finesse zieht sich wie ein roter Faden durch Schädlichs Oeuvre – von  Versuchte Nähe (1977) bis Kokoschkins Reise (2010). Nun legt der ausgebildete Sprachwissenschaftler, der 1977 aus der damaligen DDR in den Westen übergesiedelt ist, eine pointierte, schmale Novelle vor, die es in ihrer Substanz mit opulenten Biografien und wissenschaftlichen Abhandlungen aufnehmen kann. Von PETER MOHR

 

Galgenmännchen auf Finnisch

Freiheitsdrang und Träume können riskant sein. Wie riskant, muss der 12jährige Taifun erfahren, der zu seinem eigenen Besten in eine besondere Schule geschickt wird, dem Haus der Möglichkeiten. ANDREA WANNER war gespannt auf das finnische Jugendbuch.

 

Vergangen, aber nicht vorbei

Vor nicht einmal 25 Jahren war sie noch in aller Munde, die Apartheid, und ebenso das Land, zu dem sie allein zu gehören schien, Südafrika. Heute scheint sie und die unmenschlichen Lebensbedingungen, für die sie stand, nahezu vergessen. Kagiso Lesego Molope führt die Leserinnen in ihrem knapp gehaltenen Jugendbuch Unter dem Zitronenbaum an der Seite der dreizehnjährigen Tshidiso in die schwierige, aber hoffnungsvolle Endphase der offiziellen Apartheid 1989/90. Von MAGALI HEISSLER

 

Kind sein, der moderne Vollzeitjob

Nur das Beste für das Kind, wer wünscht sich das nicht? Vorhalten soll das Beste auch, vorzugsweise ein Leben lang. Dafür müssen Grundlagen gelegt, das Kind rundum gefördert werden. Nicht, dass man etwa ein verstecktes Talent übersähe! Die Schule allein reicht bei Weitem nicht, nach der Schule gibt es Logopädie und Logik, Kreativitätstraining und Muskeltraining, Musisches mit Musik und ohne Musik, volles Programm vom frühen Nachmittag bis zum Abend. In Wär ich Pirat erzählen Karin Koch und André Rösler wie sich derart beschäftigte Kinder fühlen. MAGALI HEISSLER hat mitgelitten.

 

Gesamtnote: zehn. Bestanden!

Heute heißt es runter, heute ist Sturzflugprüfung und Telemark muss springen. Edward van de Vendel und Alain Verster erzählen in Die Taube, die sich nicht traute von jenem großen Tag, an dem der zaghafte Jungtäuberich sich einfach fallen ließ – und den Salatsprung erfand. Von MONIKA THEES

 

Seid umschlungen Millionen

Die deutsch-rumänische Autorin Aléa Torik versteht es gekonnt, in ihrem Debütroman Das Geräusch des Werdens Geschichten aus der siebenbürgischen Heimat auf das »heiße« Pflaster Berlins zu stellen.

Von HUBERT HOLZMANN

 

Fremd bin ich eingezogen

Der Nürnberger Autor Leonhard F. Seidl bezeichnet seinen Debütroman Mutterkorn als »Geschichte einer Befreiung«. Eine Bestandsaufnahme von HUBERT HOLZMANN

 

Qualtinger als Thoreau

Die Indizien weisen zunehmend darauf hin, dass der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Mappus, in seiner Amtszeit gegen die Verfassung verstoßen hat, als er bei seinen eigenmächtigen Geschäften den Landtag überging. von THOMAS ROTHSCHILD

 

Ein Gegenentwurf zum Kapitalismus

1849, ein Jahr nach dem Kommunistischen Manifest, erschien ein Vortrag, den Henry David Thoreau im Vorjahr gehalten hatte, im Druck. Sein Titel: Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat. Eigentlich müsste dieser Essay für die Bürgerrechtsbewegung den gleichen Status besitzen wie das Manifest von Marx und Engels für die Arbeiterbewegung. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Ein Geheimtipp der deutschen Literatur

Die Kinder der Finsternis von Wolf von Niebelschütz, erschienen 1959, entführt den Leser in die faszinierende Welt des Mittelalters. Eine Pflichtlektüre findet HUBERT HOLZMANN

 

Grimmige Geschichten

Arthur Rackham, Walter Crane, Kay Nielsen, Divicia Landrova und der am Art Work für Disneys Schneewittchen beteiligte Gustaf Tenggren sind nur die berühmtesten der Künstler, deren von 1820 bis 1950 entstandene Illustrationen Grimms Kinder- und Hausmärchen zur visuellen Schatzkammer machen. Eigens von Laura Barrett für den die grimmsche Märchenwelt in ihrer ganzen Zauberkraft und symbolischen Tiefe erweckenden Bildband kreierte Silhouetten fügen sich makellos an die aus Originaleditionen aus fünf Dekaden entnommenen Scherenschnitte zum Schmuck der 27 ausgewählten Märchen. Von LIDA BACH

 

Das Leben ist nicht Wünschdirwas

Eine dieser Autorinnen mit den Doppelnamen: Katrin Marie Merten hat nach Gedichten jetzt auch Prosa veröffentlicht: Rückwärtslaufen. Von PEGGY NEIDEL

 

Mir träumte, ich träume, und das nicht zu knapp

Geißbock, Lippenstift, Tod & Teufel und ihr nächtliches Erscheinen – Die Wunderwelt, durch die ich schwebte herausgegeben von Manfred Chobot und Dieter Bandhauer. Von STEFAN HEUER

 

Toppreis für Ihr Zahngold

Mit Die Sorgen der Killer empfiehlt sich Guido Rohm einmal mehr als Avantegardist der deutschen Kriminalliteratur.

Von THOR KUNKEL

 

Hotel Zagorje

In ihrem preisgekrönten Roman Hotel Nirgendwo erzählt die kroatische Schriftstellerin Ivana Brodociz von ihrem Leben in einem Flüchtlingslager während des Kroatienkriegs. Humorvoll und authentisch beschreibt sie ihre Kindheit und das Erwachsenwerden in Zeiten des Krieges. BETTINA GUTIERREZ hat mit der Autorin gesprochen.

 

Ja, und was treiben sie denn? Einparken üben?

Die einen halten Franzobel für einen großen plebejischen Erzähler und attestieren ihm barocke, katholisch grundierte, sprachwitzige Schelmerei und Lust am Tabubruch. Für die andern ist er ein Adabei-Literat, der artifizielle Wortkaskaden produziert, oder schlicht franzdodel. Er selbst bezeichnet sich schon mal als »Voyeur des Menschelnden«. Jetzt hat der österreichische Lyriker, Theater- und Prosaautor einen neuen Roman vorgelegt, WAS DIE MÄNNER SO TREIBEN, WENN DIE FRAUEN IM BAD SIND, und wieder schwelgen Rezensionen in »Tabuisiertem und Verdrängtem«. Von PIEKE BIERMANN

 

Küche und Psychologie

Die Wahl-New-Yorkerin Hamilton erzählt in Blood, Bones and Butter – Mein Leben ohne Rezept vom Weg von der Küchenhilfe zur Restaurantbesitzerin und Chefköchin – und vom Spagat zwischen Workaholic-Dasein und Familienleben. Von TOM ASAM

 

Banal mit Dunkelzonen

Karl Ove Knausgårds autobiographischer Bericht von seinem Lieben.

Von WOLFRAM SCHÜTTE

 

Kafka und Komik?

Beim Namen Franz Kafka denken die meisten an Beklemmendes wie Der Prozess oder Das Schloss, an Unheimliches wie Ein Bericht für eine Akademie oder In der Strafkolonie. Dabei ist es eigentlich kein Geheimnis, dass Gregor Samsa Züge einer Comic-Figur hat. Im Allgemeinen gilt Kafka weiter als »Schmerzensmann«, sind Kafka und Komik nicht kompatibel. Mit diesem falschen Bild räumt das Buch Kafkas komische Seiten von Astrid Dehe und Achim Engstler gründlich und vergnüglich auf.

Von PIEKE BIERMANN

 

Subtilitäten & Tricks des Realismus

James Woods Kunst des Erzählens ist ein brillanter Essay & eine Leseanleitung.

Von WOLFRAM SCHÜTTE

 

»Heut, wenn man wär, da hätt man was davon«

In Robert Schindels neuestem Essay- und Redenband Man ist viel zu früh jung ist das zentrale Motiv der Blick zurück – jedoch keineswegs der nostalgisch verharmlosende Blick, sondern der scharf analysierende, entlarvende. Von HUBERT HOLZMANN

 

Die Kunst der Pointe

»Ernst nehmen« und »ernst meinen« sind unterschiedliche Dinge. Die aktuelle Nummer des Exot. Zeitschrift für komische Literatur ist ein Lehrstück darüber. Von JAN FISCHER

 

Zeichen der Zeit

Es lässt sich nicht mehr übersehen: bereits in wenigen Wochen wird ein neues Jahr eingeläutet. Ein Blick auf ausgewählte Literaturkalender 2012 lässt uns bereits in Vorfreude schwelgen. Von INGEBORG JAISER

 

Tragikomödie mit schwarzem Humor

»Sich nicht zu fürchten ist die einzige Freiheit, die wir jemals erlangen können«, lautet das Lebensmotto in der jüdischen Familie Cohen, die im Mittelpunkt des Romanerstlings Adams Erbe der 34-jährigen Autorin Astrid Rosenfeld steht. Von PETER MOHR

 

Die Riesenkrake der mörderischen Vergangenheit taucht auf

Carlos Busqueds Roman: Unter dieser Furcht erregenden Sonne

Von WOLFRAM SCHÜTTE

 

Ein berückender Entwicklungsroman

»Ich ziehe es vor, als Optimist zu leben und mich zu irren, denn als Pessimist zu leben und immer Recht zu haben.« - Der französische Autor Jean-Michel Guenassia debütiert als Romancier mit dem bereits in Frankreich preisgekrönten Roman Der Club der unverbesserlichen Optimisten. Eine gelungene Mischung aus französischem Charme und Intellektualismus mit einer Prise Kitsch und einer Spur Skurrilität – findet HUBERT HOLZMANN.

 

Rätsel und Momente des Glücks

Poetisch und melancholisch mutet Ein langer Brief an September Nowak an. Das gelungene Roman-Debut des Erdmöbel-Sängers Markus Berges an. Von TOM ASAM

 

Kamikaze Katze

Hello Kitty muss sterben – in Angela S. Chois Erstlingswerk ist der Titel Programm. Die junge Autorin will nicht länger der Norm entsprechen und schafft so etwas radikal Neues. Von CHRISTIANE MIETH

 

Weltenentdecker

Fast zweihundert Jahre alt ist das Gedicht The Cloud – und im Unterschied zum Ursprungsland England hierzulande wenig bekannt. Als wichtiges Beispiel der Lyrik der Romantik umfasst es nicht allein Naturphänomene, sondern implizit auch die menschliche Existenz, in ihrer Großartigkeit wie ihren Schrecken. Von beidem hat sich Dirk Steinhöfel in seiner eigenwilligen Visualisierung von P.B. Shelleys Die Wolke anregen lassen und eine weitere neue Welt geschaffen. Sein Bruder Andreas Steinhöfel hat den Text ebenso eigen neu ins Deutsche übersetzt. Von MAGALI HEISSLER

 

Wahre Helden

Der 2. Weltkrieg liegt lang zurück, die Rolle, die Belgien in diesem Krieg gespielt hat, dürfte den meisten jugendlichen Leserinnen und Lesern unbekannt sein.  Nun findet sich Els Beertens im vergangenen Jahr erschienener Roman als einziger Titel gleich zwei Mal auf der Nominierungsliste für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2012, einmal in der Sparte Jugendbuch, zum anderen in der Kategorie Preis der Jugendjury. Auch ANDREA WANNER ließ sich in Bann ziehen.

 

Helfen schwer gemacht

»Hinsehen und handeln«, heißt es immer wieder, Zivilcourage wird laut gefordert, beherzt eingreifen, wenn Unrecht geschieht. Wie das Helfen aber genau aussehen soll, davon wird eher nicht gesprochen. Und schon gar nicht davon, wie man eingreifen soll, wenn man offenbar die Einzige ist, die überhaupt hingesehen hat, sich alle anderen aber blind und taub stellen. Susan Kreller hat in ihrem Debütroman Elefanten sieht man nicht eine sehr junge Heldin vor eben dieses Problem gestellt und aus der extremen Situation einen ganz außergewöhnlichen Roman gemacht fand MAGALI HEISSLER.

 

Von der Sehnsucht der Kinder nach einem normalen Leben

Eine Freundin, eine gute Freundin braucht jedes Mädchen. Vor allem, wenn sie es so schwer hat wie Lena. Ihren Vater kennt sie nicht, und ihre Mutter ist oft so hilflos, dass Lena für sie sorgen muss. Und lügen und Geschichten erfinden. »Geht das gut aus?«, fragt GEORG PATZER.

 

Gegen alle (Natur-)Gesetze

Die Wege sind weit in dieser Geschichten und das Geschwisterpaar, das sie zurücklegen muss, noch klein. Deswegen wurden die zwei mit besonderen Eigenschaften ausgerüstet, die eine davon sogar sehr besonders. Was den Kindern begegnet und was mit ihnen geschieht, ist gleichfalls ungewöhnlich, streckenweise geradezu wunderbar. Ein Wunder der Kinderliteratur ist der Debütroman von Gregory Hughes Den Mond aus den Angeln heben trotzdem nicht geworden, eher eine Geschichte, über die man sich hin und wieder wundern muss.

Von MAGALI HEISSLER

 

Hinsezen unt läsn!

Putzwütige Mutter reißt die Vorhänge von den Fenstern, schrubbt die Heizkörper und backt dreißig Kuchen. Was heißt das? Na klar: der Opa kommt. Der  kleinen Antje ist es egal, wie hektisch ihre Mama durch das Haus hetzt! Sie bereitet ihren eigenen Empfang für den Opa  vor. Vorausgesetzt, daran lässt Antje Damm keinen Zweifel, er bringt genügend Hasenbrote mit. »Yummy«, denkt sich auch VIOLA STOCKER und macht sich an die nahrhafte Lektüre.

 

Auf Rosenblättern nach Amerika

Auswandern dürfte normalerweise ein auf Dauer angelegtes Vorhaben sein. Dass es auch kürzer geht und wie kurzweilig es dabei zugeht, erzählt uns Marjaleena Lembcke in Eine Blattlaus wandert aus. Durch Collagen von Stefanie Harjes erhält die Geschichte ihren besonderen Charme. Von JOHANNES BROERMANN

 

Am besten, man gründet seine eigene Bande

Was tun, wenn man nirgendwo reinpasst? Wenn man nirgendwo dazugehört, weil man für die einen zu klein, für die anderen zu groß ist? Vielleicht wartet man nicht einfach ab, was passiert. Sondern tut selber etwas. Das findet auch GEORG PATZER

 

Wer ist Gott?

Wie stellen wir uns Gott vor, ganz bildlich? Diese Frage stellt Künstler vor eine schier unlösbare Aufgabe. Kitty Crowther hat sich dieser Herausforderung gestellt und wird damit kontroverse Debatten auslösen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Von BEATE MAINKA

 

Wenn Fuchs und Has´ sich gute Nacht sagen

Das Reh lebt Pazifismus. Alle, die sich verfolgt und in Not fühlen, dürfen in sein kleines Haus. Hase und Fuchs und sogar der Jäger. Erstaunlich, findet VIOLA STOCKER und macht sich auf den Weg zum kleinen Haus in Jutta Bauers Wald.

 

Die Gnade des vereinzelten Daseins

Mit Uwes letzte Chance von Jan Weiler hat der Hörverlag den dritten Teil einer Hörspieltrilogie um einen liebenswürdigen Soziopathen namens Uwe herausgegeben. Eine ausgemachte Nervensäge trifft auf eine Studentin mit romantischen Bedürfnissen. Ob das gut gehen kann, hat DR. RANDY WEINHEIMER untersucht.

 

Urlaub unter Psalmen

Psalmen sind über 3000 Jahre alt. Popsternchen meist unter 30. Wenn letztere nun erstere interpretieren - wer ist da wohl wem überlegen? Das fragt sich DR. RANDY WEINHEIMER beim Hören der CD Das Psalmenprojekt - Wasser des Lebens. Moses Pelham, Xavier Naidoo, Castingshowfinalist Thomas Enns und andere Geistesgrößen geben sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten Mühe.

 

Das Grundwasser unserer Existenz

Eine junge Frau schweigt. Ihr Umfeld ist damit völlig überfordert ... Der junge Verlag HOERSPIELPARK von Paul Plamper hat ein mutiges und zugleich außergewöhnliches Psychogramm eines seelischen Ausfalls und der Zerfallserscheinungen eines sozialen Gefüges hörbar gemacht. Von DR. RANDY WEINHEIMER

 

"We interrupt this programm!"

Diesen Oktober jährte sich Orson Welles Todestag zum 25. Mal. MIRJAM STUTZMANN hat sich zu diesem Anlass den Hörspiel-Klassiker War of the Worlds vorgenommen. Ob diese frühe Form von Dokufiction auch heute noch funktionieren würde?

 

Von Affen und Aposteln

Axel Hacke und Giovanni di Lorenzo haben sich in Wofür stehst Du? an ein zutiefst emotionales Thema gewagt: Werte. MAXIMILIAN REEG hat ihren Diskurs verfolgt.

 

3627 Zentimeter in die amerikanische Nacht gehaucht

Jack Kerouacs generationenbildender Roman On the Road liegt jetzt in der Urfassung vor. Die ganzen 3627 Zentimeter. Unnötig ist das nicht. Aber auch nicht wichtig. Von JAN FISCHER

 

Grausame Geschichten

Und der Doktor sitzt dabei und gibt ihm bitt’re Arzenei. Um einen der kleinen Patienten dabei zu beruhigen, entwarf der Frankfurter Kinderarzt Heinrich Hoffmann oft Bildgeschichten und Verse. Wenn sie denen des Struwwelpeter ähneln, waren die Kinder vielleicht mehr von Grauen gebannt als beruhigt. 1844 verfasste Hoffmann den Struwwelpeter als Weihnachtsgeschenk, unzählige Male wechselte es in Interpretationen, Adaptionen und Parodie seine Gestalt. Die Faszination des buchgewordenen Kinderschrecks aber ist zeitlos. Von LIDA BACH

 

Wirklichkeit und Vorstellung verschmelzen zur Kunst

„Ich hatte eine Farm in Afrika am Fuß des Ngong-Gebirges.“ Mit diesem Satz eröffnet Karen Blixen (1885–1962), in Deutschland unter dem Pseudonym Tania Blixen bekannt, ihren Weltklassiker. Und bereits mit dem ersten Satz wird der Leser von der Kraft der Erzählung erfasst und in eine fremdartige und unbekannte Welt hineingezogen. TANJA SIEG hat die Neuausgabe des Romans zum 125. Geburtstag der fantastischen Geschichtenerzählerin noch einmal gelesen.

 

Huck, wo bist du?

Mit Superlativen sollte man in der Literaturkritik sehr vorsichtig umgehen, aber diese Romane gehören ganz eindeutig zu den großen Klassikern der Weltliteratur: Tom Sawyer und Die Abenteuer des Huckleberry Finn sind unverwüstliche Werke eines großartigen Literaten. Eine neue Hörspiel-Adaption führt uns pünktlich zum Mark-Twain-Jubiläum wieder direkt auf den Mississippi. Ein Klassiker-Check von MARTIN BEYER.

 

Billy Pilgrims Reise durch Zeit und Raum

1969 erschien Kurt Vonneguts Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug. Der Roman avancierte zur „Antikriegsfibel der Vietnam-Generation“, zum literarischen Meisterwerk der US-amerikanischen Postmoderne. Der Rowohlt Verlag legt jetzt eine Neuausgabe vor. Ein Klassiker-Check von MONIKA THEES anlässlich des 65. Jahrestags der Bombardierung Dresdens, deren Schrecken den Kern dieses immer noch berührenden Romans bildet.

 

Gegen den Weihnachtsmechanismus

Weihnachten macht müde: Geschenke kaufen, im Stau stehen, das Festessen organisieren, Postkarten verschicken, die ungeliebten Verwandten freundlich begrüßen und immer heimelig drauf sein, das gehört sich doch. Und wenn das »Fest der Liebe« da ist, ist die Liebe längst futsch, das alljährliche Ritual wird zur Farce, nicht immer, aber öfter. Wer braucht da überhaupt Weihnachtsgedichte?, fragt PEGGY NEIDEL.

 

... und von Freiheit kann noch gar nicht die Rede sein -

»Antiquariat« – was für ein wundervolles Wort! Sofort schießen mir kleine verwinkelte Räume mit Regalen bis zur Zimmerdecke in den Kopf, ein wildes Gewimmel von Buchrücken, der einzigartige Geruch des Papiers. Das Lieblings-Antiquariat meiner Heimatstadt; ein Ort zum Suchen und Finden, zum Träumen und Schwelgen, ein Ort zum (Wieder-)Entdecken und zum Sich-Vergessen… Eine kleine Schwärmerei von STEFAN HEUER

 

In glühenden Schuhen durch den Märchenwald

Als fern jeder Coolness stehender 40-jähriger Mann kann ich zugeben, was viele meiner Freunde in den Jahren zwischen weiterführender Schule und Vaterschaft zu verleugnen wussten: Ich liebe Märchen! Waren es als Kindergartenkind noch Das tapfere Schneiderlein, Jorinde und Joringel oder die Die Bremer Stadtmusikanten auf abgenudelter EUROPA-Schallplatte, so war es in späteren Jahren das Epos um die Familie Skywalker. Aber ob nun die Brüder Grimm oder George Lucas, Märchen beschwören in mir unweigerlich heimelige Erinnerungen an die Kindheit herauf: im Schlafanzug und mit Keksen im Bett, an den etwas spannenderen Stellen mit bis ans Kinn hochgezogener Bettdecke, während sich mein Wellensittich in seinem mit einem Tuch verhängten Käfig der Nacht entgegenbrammelte. Von STEFAN HEUER

 

das sperma der frühen jahre

neue alte Brinkmann-gedichte auf dachboden entdeckt. Von CRAUSS

 

Vortreffliche Selbsteinschätzung

Wer die lyrischen Neuerscheinungen ein wenig im Blick hat, der weiß, dass so ziemlich jedes Kalenderjahr mit zumindest einigen interessanten Anthologien aufwarten kann, und ja: Ich lese sie gerne. Neulich wurde ich von einem Journalisten gefragt, was ich denn lieber lesen würde, Anthologien oder Einzelbände – eine Frage, auf die ich keine wahrheitsgemäße Antwort geben konnte. Ich lese auch gerne Einzelbände, aber ob ich einen guten Einzelband einer guten Gedicht-Anthologie vorziehe, oder auch andersrum, kann ich nicht grundsätzlich sagen: frische Nordseekrabben vom Kutter oder Spargel-Quiche – gottseidank kann man ja auch beides genießen, eines nach dem anderen, je nach Tagesform, Lust und Laune. Von STEFAN HEUER

 

Rudi und die Hustenmary

Lorenzens randbemerkungen zum und aus dem berliner milljöh – Rudi und die Hustenmary.

Von CRAUSS

 

Von einer, die auszog, das Fürchten zu lernen

Christine Lehmann schickt ihre Schwabenreporterin Lisa Nerz in Totensteige zum zehnten Mal in die Welt. Diesmal eigentlich sogar in zwei: die sinnlich erfahrbare und die übersinnliche. Was ihre aufmüpfige Stuttgarterin – samt »Lebensabschnittsirrtum« Richard Weber und Dackel Cipión – an parapsychologischen Herausforderungen zu bewältigen hat, füllt mehr als 500 Seiten, führt sie weiter weg von ihren heimatlichen Jagdgründen als üblich und endet mit einem finale furioso. Von DIETMAR JACOBSEN

 

Licht und Schatten verstehen

Seine E-Mail-Romane erreichten Millionenumsätze und wurden in 37 Sprachen übersetzt. Lange haben die Leser auf den nachfolgenden Coup gewartet. Doch statt einer erneuten Liebesromanze – wie sie Ewig Dein vorgaukeln könnte – wartet Daniel Glattauer mit einem Psychodrama auf. Von INGEBORG JAISER

 

Provinzdämonen

Der Bösewicht in Fred Vargas' Die Nacht des Zorns ist kein Mensch, sondern gleich eine ganze Horde Dämonen. Die galoppieren allerdings nirgends als durchs Unterbewusstsein. Von JAN FISCHER

 

Eintauchen ins Andere

Der italienische Autor Andrea Bajani taucht in seinem neuesten Roman Liebe und andere Versprechen tief in Familiengeschichten und Kindheitserinnerungen ein.

Von HUBERT HOLZMANN

 

Ein literarischer Sprengmeister

Dieter Kühn reitet in seinen gefälschten Geschichten Den Musil spreng ich in die Luft zwar nicht auf Kanonenkugeln durch die Luft, wird aber von Beethoven und den Musen geküsst. Von HUBERT HOLZMANN

 

In diesen Nächten weiß niemand, wo er wirklich ist

Unterwegssein ist alles – Tagebuch Berlin-New York – mit einem Wort, das es nur unzureichend zu treffen vermag: beeindruckend! Von STEFAN HEUER

 

Ironische und aberwitzige Stories über die kleinen Hürden im Alltag

In Small Country versammeln sich gleich vier kurze Erzählungen von Kultautor Nick Hornby. Sie alle handeln von naiven Protagonisten, die in außergewöhnliche, absurde Situationen geraten. Ganz Hornby, werden natürlich auch Themen wie Fußball oder Musik wieder aufgegriffen. VON TANJA LINDAUER

 

Peter in the sky with diamonds

Am Anfang steht das Wort, respektive der Imperativ: In Peter Sloterdijks Du musst dein Leben ändern tönt der Appell so dringlich, dass man sich ihm nicht mehr entziehen kann. Und das ist auch gar nicht möglich, wie eingehend bewiesen wird, denn längst wollen und müssen wir ihm Folge leisten, wie schon viele Generationen vor uns. VIOLA STOCKER lässt sich von Peter Sloterdijk in die Trainingslager der Menschheit entführen.

 

Seismograph des Alltäglichen

Seerücken – so heißt eine ländlich geprägte Region südlich des Bodensees. Im gleichnamigen Erzählband von Peter Stamm geht es um Alltagssituationen, die es in sich haben. Von HUBERT HOLZMANN

 

Ich wäre gern so wie ein Drehbuch

Ein Debütroman sagt oft mehr über seinen Autor aus, als über dessen Fähigkeit zu schreiben. Im Fall von Gunnhild Øyehaug, bezeugt Ich wäre so gerne so wie ich bin, dass die Autorin lieber Drehbuchautorin hätte werden sollen. Von DANIEL WÜLLNER

 

Gestohlene Stunden

Pfeife anstecken und Lupe suchen. Das Romandebüt des Jedediah Berry. Von MATHIAS BROSE

 

Nirgendwo ist Heimat, überall ist Heimat

Tschechien und Brasilien, bis auf den Wortausklang darf gerätselt werden über das Verbindende und das Trennende zwischen diesen beiden Ländern. Auf den ersten Blick liegt ein Ozean dazwischen. Erzählerisch gelassen umspannt die Tschechin Markéta Pilátová in ihrem Debütroman den Globus. Von SENTA WAGNER

 

Ein diffuser Tagtraum

Slam-Poet Frank Klötgen, der moderne Chronist abstruser Alltagsmythen, der problemlos Chill-out-Zone und Schiller in einer Zeile unterbringt, hat nun seinen ersten Roman geschrieben. AUGUST WERNER hat ihn gelesen.

 

 

Es geht um mehr als nur die Wurst

Auf einem heruntergekommenen Bauernhof südlich von Leipzig muss einen Tag vor dem zweiten Advent 1992 die letzte Sau ihr Leben lassen. Während die Schlachterin Diana Kampradt als mâitresse de cérémonie routiniert die Messer schwingt, geht es für drei Generationen der Familie Schlegel um mehr als nur die Wurst im Jahre 3 nach dem Mauerfall. Von DIETMAR JACOBSEN

 

Fäuste sind blind

Billy ist fünfzehn und er hat genug von Worten. Von Worten wie »Mutter«, »Vater«, »Zuhause«, aber auch von »Selbstbeherrschung«, oder »soziale Kompetenz«. Alles Lügen oder Psychogesumms, Billy ist ganz sicher. Die einzige Sprache, die etwas bewirkt, ist die des Zuschlagens. Und das kann Billy – so gut, dass er andere krankenhausreif prügeln kann. Billy ist ungeheuer wütend. Billy ist von Grund auf traumatisiert. Phil Earle hat in seinem Debütroman Billy sein eingehend beschrieben, wie es sich anfühlt, mit fünfzehn immer nur wütend und verzweifelt zu sein. Von MAGALI HEISSLER

 

Der Tag, an dem die Welt auf den Kopf gestellt wurde

Trash ist das englische Wort für Müll. Gigantische Abfallberge türmen sich am Rande der Stadt Manila, wo tausende von Menschen ihr Dasein fristen, darunter unendlich viele Kinder. Sie suchen nach recycelbarem Müll, nach Dosen, Papier, Plastik, nach allem, was Geld einbringt. Andy Mulligan hat aus ihrem Schicksal eine Geschichte gemacht. ANDREA WANNER hat sie gelesen.

 

Die Welt dahinter

Ihr Debütroman Scherbenpark war in der Sparte Jugendbuch zum Deutschen Jugendliteraturpreis 2009 nominiert, ihr zweites Werk Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche stand auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2010. Nun hat die 1978  in Russland geborene Alina Bronsky ein neues Projekt in Angriff genommen. ANDREA WANNER freute sich auf den Trilogie-Auftakt Spiegelkind.

 

Vertrauen, hoffen, lieben

Gewichtige Worte und Werte von ebensolchem Gewicht findet man in diesem Buch. Was man gleichfalls findet, ist sind die Pendants, Einsamkeit, Leid, und Wut. Es ist ein Buch der Extreme und ein Buch der Gegensatzpaare. Wie Realität und Märchen. Aus diese Mischung hat Antonia Michaelis mit Die Worte der weißen Königin eine sehr dunkle Geschichte gewoben. Gut, dass die Dunkelheit einmal endet und nicht nur im Märchen. Von MAGALI HEISSLER

 

Schneckenfluch mit Pilzen

Wer sich bereits beim Anblick von Nacktschnecken gruselt, wird vielleicht davor zurückschrecken, Das schaurige Haus in die Hände zu nehmen. Wer aber etwas stärkere Nerven hat, dem rät PAULA FRANK (12 Jahre) zuzugreifen.

 

Erde an Anna-Lena

Welches Mädchen träumt nicht von einem alternativen Dasein als Fee im Paralleluniversum! Umgeben von rosa Tüll, mit hellblonden Locken, vielleicht einem tanzenden Ferkel im Tutu als Hofnarren, in der Hand den blitzenden Zauberstab, der jeden Wunsch erfüllt, unangreifbar macht und Riesenkräfte verleiht? Anna-Lena wird nachgesagt, sie sei eine Fee, nun muss sie sich auch entsprechend verhalten. Die Frage ist bloß: Ist sie eine gute oder eine böse Fee? Auf die Suche nach der Antwort bei Herbert Günthers Mein Leben als Fee begibt sich VIOLA STOCKER

 

Autobus mit Geschichte

Der Großvater erzählt von Diskriminierung, Willkür und dem Geheimbund Klu-Klux-Klan. Und von Rosa Parks, die vor über 50 Jahren mutig im Bus sitzen blieb, während er aus Angst versuchte, sie zum Nachgeben und Aufstehen zu bewegen. Von MONIKA THEES

 

Genial daneben

Wenn ein großer Autor wie Rafik Schami ein neues Kinderbuch vorlegt, sind die Erwartungen hoch. Doch auch ein Meister der Erzählkunst kann hinter diesen Erwartungen zurückbleiben, wie BEATE MAINKA enttäuscht feststellen musste.

 

Alles, nur kaum Eier

Verrückte Hühner kennen alle – kein Zweifel, dass es sie wirklich gibt. Heinz Janisch erzählt, wie ein Bauer an seinem jedoch fast verzweifelt. Sein verrücktes Huhn legt nämlich anstelle der Eier fast immer irgendeinen Klamauk ins Nest. Mit den Bildern von Walter Schmögner entsteht so ein verrückter Lesespaß. Von JOHANNES BROERMANN

 

Hey, Art, lass uns malen!

Der chaotische Anfänger Max trifft auf Arthur, wirbelt Farben, Formen und Figuren auf und wird schließlich Freund des arrivierten Könners. David Wiesner visualisiert die Möglichkeiten der Kunst und das Wesen des kreativen Prozesses. Witzig, rasant, mitreißend gut. Von MONIKA THEES

 

Ausgelagerte Ur-Natur

An so einem Migranten hätte Thilo Sarrazin seine helle Freude: TV-Moderator Dieter Moor hat seinen Hof in der Schweiz verkauft, um sich in Brandenburg als Bio-Bauer zu profilieren. Dabei fordern ihm Land und Leute erhebliche Anpassungsleistungen ab. MAXIMILIAN REEG hat sich die Geschichte der gelungenen Integration angehört.

 

Mensch und Ratte als Duo infernale

Welche Generation spricht hier? Geil? Schlaff? Noch-Nicht oder doch schon so sehr? Julian Schraven erzählt in seinem amüsanten Hörspiel vom orientierungslosen Frischabiturienten und Radiomoderator Luca „Benk“ Merus. Seine Ratte Jerry hat den Durchblick, er nicht. Hätte er sie mal besser nicht überfahren … Von MARTIN BEYER

 

Rummelbummel im Trachtenfummel

Am 18. September braust durch München, den beschaulichen Moloch an der Isar, ein Ruf wie Donnerhall: O´zapft is! Das große Besäufnis, das sich „Wies´n“ nennt, wird satte 200 Jahre alt. Für die Münchner heißt es dann: Flüchten, Meckern oder - Mitmachen. MIRJAM STUTZMANN hat vorab eine Jubiläumspublikation untersucht. Kam dabei Festzeltlaune auf?

 

Screwball ohne Schnickschnack

Erst der Porno, dann die Pleite betitelte Henryk M. Broder seine Rezension des Romans von Kristof Magnusson. MIRJAM STUTZMANN hat jetzt die Hörbuchversion des Bestsellers unter die Lupe genommen. Dabei hat sie sich gut amüsiert und festgestellt, dass die Hörfassung manches sogar besser kann.

 

Die Gedanken sind frei

Jürgen Domians Call-In-Show hält wochentags eine treue Fangemeinde, zu der sich auch CHRISTIAN NEUBERT zählt, wach bzw. lässt diese gut einschlafen. Nun liegt die Hörbuchfassung seines zweiten Romans vor.

 

Einblicke mit monströser Wucht

Realistisch erzählte Texte sind langweilig? Hier kommt ein Gegenbeweis: Die Neuauflage von John Cheevers Der Schwimmer ist erschienen und belegt, weshalb Cheever zu den lesenswertesten Klassikern unter den amerikanischen Kurzgeschichtenautoren zählt. Von SIMONE SCHRÖDER

 

Kopulation ist nicht geiler als der Tod

Walt Whitmans „Ich“ fliegt über Amerika. Und was sollen wir damit, wir Nichtamerikaner? Whitmans Grasblätter sind auch uns zugeeignet, den Bewohnern „fremder Länder“:

 

Ich hörte, daß ihr etwas erbittet, dieses Rätsel der Neuen Welt zu bekunden / und Amerika zu erklären, seine athletische Demokratie,/Deshalb sende ich euch meine Gedichte, damit ihr in ihnen erblickt, was ihr verlangt.

Von BRIGITTE HELBLING 

 

Beim Wiederlesen von Pan

WOLFRAM SCHÜTTE nimmt Hamsuns 150. Geburtstag am 4. August zum Anlass, in die eigene Leservergangenheit zurückzukehren und zu überprüfen, ob sich der damalige fiebrige Lesetaumel bei der Lektüre des Pan auch beim heutigen Wiederlesen einstellen will.

 

Ein Hunger(-künstler)

Vor mehr als 115 Jahren hat Knut Hamsun Hunger geschrieben, einen Roman über eine gescheiterte Persönlichkeit, wie sie auch heute in jedem Stadtpark, auf jedem Bahnhofsvorplatz zu finden ist, in ausgelatschten Turnschuhen und speckigem Ledermantel, laut aus der Zeitung rezitierend. SIMONE SCHRÖDER hat den Klassiker begutachtet und kam zu dem Schluss: Auch in der Neuauflage glänzt der Roman als zeitgemäßes Stück Weltliteratur.

 

Paradies, verloren

Gewöhnlich haben die Klassikerausgaben des Manesse Verlags das Format eines Notizbuchs, das sich bequem in die Tasche stecken lässt. Anders diese groß angelegte Neuübersetzung von Schau heimwärts, Engel, die der Verlag achtzig Jahre nach Erscheinen der Originalausgabe vorlegt. Von ANDREAS MARTIN WIDMANN

 

Zu Tinte zerronnen

Nora Bossongs neuer Band Sommer vor den Mauern ist eine vielpolige, in verschiedenen Richtungen verankerte Angelegenheit. Von TOBIAS ROTH

 

Christoph Grau bebildert die unendlichkeit auf erden

der titel sagt es bereits: projekt ist etwas unabgeschlossenes, unabschliessbares. eigentlich hätte etwas kugelförmiges dabei herauskommen müssen, das pantheon-phänomen zu be- und alle naheliegenden sowie im besten Sebaldschen sinn ab-schweifenden assoziationen aufzuschreiben. stattdessen ist es ein kleiner ziegel geworden, der sich im schaufenster des hamburger textem verlags, der ja auch die hübsch verschwurbelte zeitschrift kultur & gespenster herausgibt, ausgezeichnet ausmacht. Von CRAUSS

 

Von Tieren und Menschen und Tieren im Menschen

Jahrtausendelang hat die Menschheit mit Tieren unter einem Himmel und unter einem Dach zusammen gelebt. Seit den Fortschritten der Industrialisierung und Automatisierung, die einhergingen mit dem dschungelhaften Wachstum der Städte, gerät diese intime Beziehung zwischen Mensch und Tier immer mehr in den Hintergrund. Von MATTHIAS FALLENSTEIN

 

Acht Fäuste für ein Halleluja

Wer Anfang der 1990er Jahre in seiner Lieblingskneipe ein gepflegtes Bier trinken, im interkulturellen Treffpunkt die Lokalmatadoren im Kickern herausfordern oder sich in der Justizvollzugsanstalt seines Vertrauens ein paar ruhige Stunden machen wollte, dem konnte es passieren, dass diese Horte der Geselligkeit seit dem letzten Besuch ihr Gesicht verändert hatten. Von STEFAN HEUER

 

wachsende unaufgeregtheit

Adrian Kasnitz sucht das verschwinden sichtbar zu machen. Von CRAUSS

Hoden los!

Die Gleichberechtigung hat in diesen Tagen herbe Rückschläge erlitten. Während in akademischen Kreisen das Thema »Gender« höchstens noch für Proseminare ...

Maler der Farben und Formen

Üppige Figuren und bunte Farben sind die Markenzeichen des kolumbianischen Malers Fernando Botero. Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigt die Galerie Samuelis Baumgarte Bilder, ...

Schweizer Käse!

Fromage suisse!

Swiss Cheese!

Andreas C. Studer wollte mit Meine Schweizer Kühe seiner Heimat, Herkunft und den Lieferanten seiner Kochzutaten ein Denkmal setzen. Ein Anhang mit Rezepten aus Milchprodukten soll ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Lämmer in der Obhut von Wölfen

Das europäische Mittelalter war nicht gut zu Frauen – zumindest wenn wir heutige Kriterien anlegen. In jedem Fall aber war es eine schlechte Zeit für die wenigen Frauen in ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...

Feier der Tonalität

Bei den großen Musikfestivals, in Salzburg, Luzern oder Verbier, kommt Jazz, wenn überhaupt, allenfalls als Kuriosität am Rande vor, am ehesten noch in der Gestalt des »Third ...

No sleep till Pixel

Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...

No sleep till Pixel

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