Minilyrik bei TITEL
Der Vierzeiler der Woche! - Michael Ebmeyers Verse mit Foto sind von seiner Homepage zu TITEL umgezogen und von Dezember 2010 an wöchentlich neu hier zu sehen.
Resignierte Missionare (1)
In den Wind geschlagen
fünfundneunzig Thesen
nach Korinth getragen
Dort wird sie niemand lesen
Vor dem Katerfrühstück
Ein schlimmes Wort, ein Stinkefinger
und weiter geht der Ringelpiez
bis ich laut nach Hause schlinger
ins Katzenstreu zu meiner Miez
Lieblingstiere (3)
Es galoppiert mein hohes Ross
von Zauberschloss zu Zauberschloss
Bellevue, Neuschwanstein, Camelot
und heute hü und morgen hott
Nachbarplaneten
Aus der Welt sind Sie gefallen?
Los, aufrappeln und neue suchen!
Die hier, aus Pudding, Eis und Kuchen
zählt zu den besonders prallen
Der Adel ist wieder da (1)
Der Merowinger
dreht die dicksten Dinger
bohrt die dünnsten Bretter
und das bei jedem Wetter
Zu den Sternen
Nun starren sie vom Himmel wieder
auf das bunte Treiben nieder
auf all die Tölpel, Tulpen, Tierchen
bei uns, bei euch, in Dingenskirchen
Auf ein Neues
Hab den Weizen gepufft, den Oregano gerebelt
und ganz nebenbei eine Welt ausgehebelt
Da liegt sie nun neben mir, dreht sie nun hohl
und haucht immer wieder da capo, zum Wohl
Dichtung ohne den Wirt
Die heilige Johanna der Schlachtplatten
trägt schweigend das Vesperbrett auf
rund um die Uhr im Dauerlauf
Ihre Augen liegen im Nachtschatten
Wurzelbehandlung
Ich lasse mir ein Dorf installieren
aus Sehnsucht nach ein bisschen Natur
und um auch mal selbst am Stammtisch zu frieren
knapp hundert Schritte neben der Spur
Fürs Poesiealbum
Wo die Liebe hinfällt
wächst kein Gras mehr
gilt kein Maß mehr
weil sie stets aufs Kinn fällt
Flucht nach vorn
Drei Chinesen geben Kontra
der vierte ist ein scheues Reh
und springt doch in den Opel Manta
von Prinzessin Lillifee
Vertröstung
Behalten Sie doch bitte Platz
Ein Räuspern noch, ein Nebensatz
dann Gluckgluckglück und Schmackofatz
nebst Budenzauber und Rabatz
Nächster Versuch
Fahr zur Hölle, brülltest du
Ich tats und kam zurück
mit Glühwein und mit Grillragout
nach Haus in unser Glück
Geordnete Verhältnisse
Reinen Tisch mit dem Bedränger
schön nach Sorten aufgeräumt
ausgewrungen, ausgeträumt
Mahlzeit; Porto zahlt Empfänger
Hebelwirkung
Lass uns in der Kreide stehen
und auch manchmal davon naschen
So möchte ich uns beide sehen
voller Bauch und leere Taschen
Delete/Repeat
Haltet die Erinnerung wach
sie ist uns noch was schuldig
so prosten wir geduldig
und schunkeln mit und haken nach
Heimchen am Krisenherd
In den Himmel ragen
morsche Heldensagen
Auf die Erde nieder
bröckeln fromme Lieder
Liebes Tagebuch (2)
Über Joseph Haydn war
in der Zeitung was zu lesen
Und ich? Las »Joseph Handy«, klar
Sonst ist nicht viel gewesen
Das E und Ä
Ich wollte meinen Anwalt treffen und habe ihn verfehlt sodass der Drang, ihn nachzuäffen mich nun weiter quält
Die besten Absichten
Wir wollen schlafende Riesen wecken aber wissen wir auch, wo die Riesen schlafen? Unterm Hollerbusch, im Nichtschwimmerbecken oder zwischen den Paragraphen?
Workout - eine Lösung?
Warum nach den Sternen greifen
wenn das Gute liegt so fern
Beugefehler, Dehnungsstreifen
sieht man immer wieder gern
Schaunse einfach mal vorbei
Der grimmige Mäher
heut mal gefühlig
morgen schon zäher
und Mittwoch in Jülich
Vorletzte Fragen
Könnte man fliegen
würde man dann
Und woran mags liegen
dass man nicht kann
Wahlversprechen
Ich bin ein Netz in Nutzerhand
ich berste schier vor Sachverstand
sodass die Zielgruppe vielleicht
mit mir das Gruppenziel erreicht
Als nächstes
Das sind ungelegte Eier
und das sind zwei Paar Schuhe
Die springen jetzt synchron vom Dreier
Danach ist vielleicht Ruhe
Mal kurz
Was nervt Noah
auf der Arche
an der Boa?
Ihr Geschnarche
Der Letzte
Steht einer am Straßenrand
Ausgelaugt und hirnverbrannt
Schüttelt sich noch selbst die Hand
Schlenkert da ein Freundschaftsband
Lieblingstiere (2)
Lasst uns wie die Fische werden
wortkarg, rund und immer sauber
anmutig bei Drohgebärden
süß beschwipst beim Budenzauber
Konstanten (4)
Wohin verschlägts die Sprache
und wie hoch geht der Hut?
Erst Bresche und dann Brache,
erst Ebbe und dann Blut?
Zweite Lebenshälfte
Die Wahrheit untern Teppich trinken
der Außenwelt den Mund verbieten
die Innenwelt im Suff umnieten
und in Selbstmitleid versinken
Masterplan
Ich lass von mir hören
Ich mach von mir reden
Ich möchte nicht stören
Zumindest nicht jeden
Dear Popanz
Sack und Pack befragten Sack und Asche:
Was lügen wir uns heute in die Tasche?
Sack und Asche drauf zu Sack und Pack:
Heut lügen wir uns Löcher in den Frack
Diskretion Ehrensache
Unterm Strich zähl ich, aber was heißt das netto?
fragte die Amarena den Amaretto
Doch wo Mandeln verhandeln und Kirschen knirschen
da wollen wir uns von dannen pirschen
Konstanten (3)
Woher wohin woraus worüber
wie viel wie weit wie blöd wieso?
so fragt das Ich sein Gegenüber
im Sonderzug nach nirgendwo
Ein anderer Wind
Da wurde unser Blockwart
plötzlich zum Null-Bock-Wart
kannte keine Regeln mehr
und pfiff den Vögeln hinterher
Lieblingstiere (1)
Der Zeisig, der Zeisig
ist heute nicht ganz bei sich
Zur Hälfte hängt er fest
im Wolkenkuckucksnest
Mein schönstes Ferienerlebnis
Es nistet in mancher Gardine
ein fester Gestaltungswille
Da funkelt Asphalt oder Schiene
durch rosarote Brille
Auf Gegenseitigkeit
Reim dich oder ich fress dich
Vor diese Wahl stelltest du mich
Zum Nachtisch erkältest du dich
Heimlich, aber verlässlich
Stunden der Wahrheit (1)
Es kommt mir vor als sei
unsere Zeit vorbei
So sprach mit müdem Blick
der Schmied zu seinem Glück
Das Ende des Föderalismus
Ein erschöpftes Guthaben
schleppte sich mit letzter Kraft
durch sieben Jahre Sippenhaft
als Fischkopf unter Wutschwaben
Bewegungsabläufe
Der Tiger aus dem Tank
der reitet durch den grünen Wald
der rollt wohl heim auf Schienen bald
und auf die lange Bank
Geschlechtertrennung
Das Fräulein steht am Meere
das Männlein steht im Wald
da kommen in die Quere
die zwei sich nicht so bald
Strickmuster
Zwei links, zwei rechts, dann den Faden verlieren
Immerzu im Kreis marschieren
Plötzlich »Keinen Schritt weiter!« brüllen
und sich einen Kinderwunsch erfüllen
Von den Dächern (Folge 1000)
Was die Spatzen von den Dächern brüllen
ist ein alter Schlager von Bob Dylan
Wie oft auf uns noch mit Kanonenkugeln
Geht doch lieber heim, euch selber googeln
Liebes Tagebuch (1)
»Wir spalten Ihr Herz ofenfertig«
So war es: Herz las ich statt Holz
Da stand ich, müde, ein wenig bärtig
und auf den Verleser fast stolz
reaktionsmuster
immer schon gewusst?
weit weg und landtagswahlen?
nun schreibt sich alles klein
und reimt sich nicht einmal
Suchbild
Wer hat den Fuchs zur Strecke gebracht?
Wer hat den Jäger zur Schnecke gemacht?
Wer hat zu laut um die Ecke gedacht?
Über wen hat am Schluss nur die Zecke gelacht?
Konstanten (2)
Wenn die alte Leier tönt
mag die Standpauke nicht schweigen
So hängt der Himmer voller Geigen
ausgeschimpft und unversöhnt
This way up
Ich trage einen großen Namen
über Stock und über Steine
nehme mir auch beim Examen
nur die Freiheit, die ich meine
Hinterland der Ideen
Wo die Straßen noch Holzweg heißen
trinken die Wölfe hart mit den Geißen
legen sich Äpfel auf die Häupter
und sind nach dem Volltreffer kaum betäubter
Die neue Entspanntheit im Umgang
Das kleine Schwarze spricht zum weißen Riesen:
»Ich lasse mir mein Müffeln nicht vermiesen«
Der weiße Riese herzt das kleine Schwarze:
»Dann störts wohl auch nicht, wenn ich weiter quarze.«
Konstanten (1)
Wer dreht schon früh am Tage
die Dusche ganz weit auf?
Es ist die alte Klage
über den Weltenlauf
Schatten voraus
Auf den Atemwegen geh ich
In der Abendsonne steh ich
Kein Wässerchen zu trüben fähig
Krumme Dinger? Däumchen dreh ich
Zu den schönsten Hoffnungen
Irgendwo auf halbem Weg
zwischen Karies und Karriere
sprang eine fette Hypothek
dem Jüngling in die Quere
Systemvergleich
Das Schnabeltier sagte zum Fabeltier:
Wir essen mit Messer und Gabel hier
Das Fabeltier sagte: Bei uns da drüben
tun wir dies nur zwischen Fieberschüben
Zu neuen Ufern
Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt
war bei der Taufe eingepennt
Flaschenklirren, Schaumweinschäumen
durfte es im Traum versäumen
Torschluss
Das Jahr schlingert seinem Ende entgegen
Das Ende schwitzt peinlich berührt
Ihm kommt die Begegnung ganz ungelegen
Und wer weiß, wohin das führt
Einmal Hollywood und zurück
Ich fand den Senkel vom Donnerstag
in der Schreibtischschublade wieder
wo er neben Sarah Connor lag
und krähte: »Herr Wirt! Zwei Batida!«
Wann, wenn nicht heute?
Durch die Servicewüste schleicht
ein einzelner Fuchs
Hat sein Tagesziel erreicht
kaut Electronic Books
Metamorphose
Die Frösche scharten sich um den Teich
Der Teich fragte zögernd: Wer wart ihr doch gleich?
Da ergrünten die Frösche in kalter Wut
und zischten: Wir waren der Eisbär Knut
Nach oben offen
Den Dresscode geknackt in bessere Kreise vorgedrungen „Einer geht noch rein“ gesungen splitterfasernackt
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Nachhaltig wortgewaltig
Ich bin es gewohnt, in regelmäßigen Abständen verständnislos angeschaut zu werden – in der Tat dürfte ich wahrscheinlich deutschlandweit einer der wenigen ...
Sollen wir Denkmäler aufstellen oder in die Luft sprengen?
Erich Loest setzt in seinem Roman Löwenstadt seinem Leipzig ein Denkmal und erzählt dabei so en passant 200 Jahre deutsche Geschichte – von der Völkerschlacht 1813 bis ...
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Die Doppel-CD von Trikont gibt mit der Auswahl an Gedichten, Romanauszügen, Kurzgeschichten, Briefen und einem bilderreichen informativen Booklet einen guten Einblick – für ...
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Der Nürnberger Autor Leonhard F. Seidl bezeichnet seinen Debütroman Mutterkorn als »Geschichte einer Befreiung«. Eine Bestandsaufnahme von HUBERT ...
Ein Geheimtipp der deutschen Literatur
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